Gemeindepersonal für Privatfahrten?

Dienstag, 19. Mai 2026, Münchner Merkur – Süd / Landkreis Süd

Grüne stel­len un­be­que­me Fra­gen zu Be­sor­gun­gen für er­krank­ten CSU-Bür­ger­meis­ter

Grün­wald – Die Grü­nen in Grün­wald stel­len heik­le Fra­gen: Haben Ge­mein­de­mit­ar­bei­ter den er­krank­ten Bür­ger­meis­ter Jan Neu­siedl nicht nur dienst­lich, son­dern auch für pri­va­te Wege und Be­sor­gun­gen un­ter­stützt? Die Frak­ti­on ver­langt nun Auf­klä­rung über Um­fang, Rechts­grund­la­ge und Kos­ten mög­li­cher Ein­sät­ze.

Die Grü­nen-Frak­ti­on sorgt mit einer schrift­li­chen An­fra­ge für po­li­ti­schen Wir­bel. Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de In­grid Rein­hart rich­tet sich darin mit dem Ver­dacht an Bür­ger­meis­ter Jan Neu­siedl (CSU) und Per­so­nal­lei­ter Rudi Peith­ner, dass ge­meind­li­che Mit­ar­bei­ter wie­der­holt für pri­va­te Fahr­ten und Be­sor­gun­gen ein­ge­setzt wor­den sein könn­ten, nach­dem sich Neu­siedl Ende April das Bein ge­bro­chen hatte.

Nach An­ga­ben der Grü­nen seien immer wie­der oran­ge­far­be­ne Fahr­zeu­ge der Ge­mein­de vor dem Haus des Bür­ger­meis­ters ge­se­hen wor­den. Zudem sei den Grü­nen be­rich­tet wor­den, Neu­siedl sei in einer Phy­sio­the­ra­pie-Pra­xis im Roll­stuhl von einem Haus­meis­ter der Ge­mein­de her­ein­ge­fah­ren wor­den. Neben mög­li­chen Fahr­ten zu Arzt­ter­mi­nen geht es laut An­fra­ge auch um pri­va­te Be­sor­gun­gen, dar­un­ter das Ab­ho­len von Spei­sen in ört­li­chen Re­stau­rants. Soll­te sich das be­stä­ti­gen, wäre aus Sicht der Frak­ti­on die Gren­ze zwi­schen Amt und Pri­vat­le­ben deut­lich über­schrit­ten.

Rein­hart er­klärt, sie habe den Vor­gang zu­nächst als Ein­zel­fall im Not­fall ein­ge­ord­net. Als sich die Fahr­ten je­doch häuf­ten, habe sie Bür­ger­meis­ter und Per­so­nal­chef am 13. Mai an­ge­schrie­ben. Da aus dem Rat­haus zu­nächst keine Ant­wort ge­kom­men sei, folg­te schlie­ß­lich eine Pres­se­er­klä­rung. Sie ver­mu­tet, dass vor allem die drei Haus­meis­ter wie­der­holt ein­ge­spannt waren. Zu­gleich ver­weist sie auf be­stehen­de Hilfs­an­ge­bo­te wie die Nach­bar­schafts­hil­fe, die in sol­chen Si­tua­tio­nen mit Fahr­diens­ten oder „Essen auf Rä­dern“ un­ter­stüt­zen könne.

Per­so­nal­lei­ter Rudi Pleith­ner kün­digt auf Nach­fra­ge un­se­rer Zei­tung am Mon­tag an, er werde die Vor­wür­fe prü­fen und die Fra­gen der Grü­nen be­ant­wor­ten. Zwei­ter Bür­ger­meis­ter Ste­phan Wei­den­bach will spä­tes­tens am Mitt­woch mehr dazu sagen. Jan Neu­siedl war für eine State­ment nicht er­reich­bar.

Die Grü­nen ver­lan­gen nun in sie­ben Punk­ten Aus­kunft dar­über, wie oft Be­schäf­tig­te ein­ge­setzt wur­den, wel­che Auf­ga­ben sie über­nom­men haben und auf wel­cher recht­li­chen Grund­la­ge dies ge­schah. Auch die Do­ku­men­ta­ti­on der Ar­beits­zei­ten, mög­li­che Kos­ten für die Ge­mein­de und die dienst­li­che Ver­ein­bar­keit der Ein­sät­ze ste­hen im Fokus.

Rein­hart be­tont zu­gleich, die An­fra­ge rich­te sich nicht gegen die Er­kran­kung des Bür­ger­meis­ters. Es gehe al­lein um Trans­pa­renz — und darum, jeden „Ein­druck einer zweck­wid­ri­gen Nut­zung ge­meind­li­cher Res­sour­cen“ aus­zu­räu­men.

Die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin In­grid Rein­hart hatte in einer Aus­nah­me­si­tua­ti­on die Amts­ge­schäf­te in Grün­wald über­nom­men: Nach­dem der frisch wie­der­ge­wähl­te CSU-Bür­ger­meis­ter Neu­siedl wegen eines Bein­bruchs vor­über­ge­hend nicht ar­bei­ten kann, hatte das Land­rats­amt kurz­fris­tig die äl­tes­te Ge­mein­de­rä­tin, In­grid Rein­hart (76), über­gangs­wei­se vom 1. bis 12. Mai als Ver­tre­te­rin ein­ge­setzt. So ge­riet das Rat­haus kurz­zei­tig in grüne Hand. In der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung am 12. Mai wur­den dann aber er­neut zwei CSU-ler zu Stell­ver­tre­tern ge­wählt: Zwei­te Bür­ger­meis­ter Ste­phan Wei­den­bach sowie Drit­te Bür­ger­meis­te­rin Uschi Kneidl.

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